Viele kennen Filme nur als fertiges Produkt. Doch hinter dem Ergebnis stecken viele verschiedene Arbeitsschritte und unzählige Entscheidungen. Wer sie kennt, kann besser auf das Ergebnis Einfluss nehmen. Hier finden Sie einen groben Überblick über das, was einen Film im Wesentlichen ausmacht.

  • 1. Konzept

    “Beim Malen eines Bildes beachte schon beim Bau des Rahmens, beim Bespannen der Leinwand und bei ihrer Grundierung, dies mit der größtmöglichen Sorgfalt und Liebe zu tun. Denn die Leinwand ist die Basis des Werkes, und die maximale Hingabe vom ersten Schritt an bis zum letzten Pinselstrich wird sich über alles Sichtbare hinaus bemerkbar machen.”

    Wenn man einen Film macht, ist das auch nicht anders. Allerdings kommen hier zur Bildebene noch einige andere Kunstformen hinzu, die ebenfalls mit der größtmöglichen Sorgfalt eingesetzt werden sollten. Denn am Ende beeinflussen sich alle filmischen Mittel gegenseitig und ergänzen sich im besten Falle zu einer raffinierten Gesamtkomposition.

    Nur wer sich mit Bild- und Tongestaltung, Erzähl-Variationen, Montagetechniken und Nachbearbeitung auskennt, kann ein stimmiges Konzept erarbeiten, das aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste herausholt.

    Das Konzept ist die Basis. Ein gutes Konzept zu schreiben ist mühsam. Aber es ist wichtig und sollte auf keinen Fall erst beim Produktionsprozess entstehen. Ein gutes Konzept spart Zeit, Geld und Nerven. Ein gutes Konzept ermöglicht erst den Arbeitsprozess, der es kreativ verwandeln kann. Einen Prozess, der eine Lawine voll von Entscheidungen auslöst: aus ein paar Zeilen entstehen plötzlich unzählige Möglichkeiten, wie der Film werden könnte. Und jede Entscheidung verändert alles Folgende.

  • 2. Produktion

    Wer einmal versucht hat, mit 10 Freunden einen Termin für ein gemeinsames Abendessen zu finden, der kann sich vorstellen, was für Probleme auftreten können bei einem Filmdreh mit Statisten, mit Technikteam, Schauspielern, die nur zu bestimmten Tageszeiten können, an Orten, die nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung stehen und an denen bestimmte Wetterbedingungen herrschen müssen.

    Was hier zählt ist: Überblick. Routinierter Umgang mit seinen Möglichkeiten. Wer weiß, wie man gut plant, wer die Technik im Griff hat und weiß, dass verschiedene Wege zum Ziel führen können, der muss sich keine großen Sorgen machen.

    Eine gute Planung schränkt Kreativität nicht ein, sie ist die Basis für souveräne und flexible Regie.

  • 3. Casting

    Sobald Personen im Film vorkommen – egal ob Dokumentarfilm oder Spielfilm – es lohnt sich, sie vor den Dreharbeiten kennenzulernen und zu schauen, wie gut sie sich vor der Kamera machen.

    Auch hier gilt wieder, dass jede Entscheidung Auswirkungen auf das ganze Projekt hat: selbst wenn man die perfekten Protagonisten gefunden hat – passen sie überhaupt zueinander? Spielen sie gleich gut? Oder sind sie sich sogar zu ähnlich?

    Zudem wird das Projekt schlagartig greifbar, wenn man mit realen Personen probt. Ein abstrakter Text wird plötzlich greifbar. Die Rollen erwachen zum Leben. Der Kontakt mit den Darstellern öffnet ein Spektrum neuer Möglichkeiten und bringt einen auf neue Ideen. Man merkt, was noch nicht funktioniert und wo man noch viel weiter gehen könnte.

  • 4. Ausstattung

    Viele glauben, eine gute Kamera mache automatisch gute Bilder. Natürlich ist eine gute Kamera eine Tolle Sache. Aber das Bild entsteht ja nicht in, sondern vor der Kamera! Die Ausstattung gestaltet das Bild, das die Kamera abfilmt.

    Jeder Raum erzählt etwas. Jedes Detail kann ganz bewusst eingesetzt werden. Jede Kulisse bietet Möglichkeit für Gestaltung. Alles kann Absicht sein. Jede Farbe, jedes Detail, jeder Kontrast, jede Harmonie, jede Geschmacklosigkeit.

    Alles wirkt miteinander.

  • 5. Kostüm

    Was für die Ausstattung gilt, gilt auch für das Kostüm. Kostüme sind nicht nur prächtige Gewänder. Ein Kostüm kann auch aus sorgsam ausgesuchten Badelatschen und Muskelshirt bestehen.

    Worauf es hier ankommt ist: Was trägt eine Person und warum? Wie wirkt sie auf den Zuschauer? Hier zählen offensichtliche gestalterische Elemente wie Farbe und Form, es werden aber auch Aussagen getroffen zu Historie und Milieu – und auf subtile Weise wird eine psychologische Wirkung erreicht, die zwischen den Zeilen etwas über den Status und die innere Verfassung der Figur aussagt.

    Kostüme erzählen Geschichten. Kostüme schaffen Realitäten. Kostüme gestalten das Bild.

  • 6. Maske

    Ein Maskenbildner (oder eine Maskenbildnerin) ist sicherlich die meiste Zeit damit beschäftigt, Darsteller ab zu pudern. Denn wie bei Bild und Ton muss auch hier die Realität massiv beeinflusst werden, um im Film „natürlich“ zu wirken. Das klingt paradox, aber es ist so. Wer eine Talkshow aufmerksam betrachtet, der wird merken, dass selbst ältere Herren von Rang und Namen stark geschminkt werden, damit sie im grellen Scheinwerferlicht so aussehen, wie man es von ihnen erwartet.

    Ein guter Maskenbildner kann aber natürlich noch viel mehr. Wie auch beim Kostüm steht hier am Anfang der Gedanke: wie soll der Mensch wirken? Was unterstreicht seine Persönlichkeit, in welcher Verfassung befindet er sich? Und so wird frisiert, modelliert, Wunden und Narben aufgetragen oder retuschiert, so, dass vor der Kamera eine Figur entsteht, die so wirkt, als wäre sie ganz selbstverständlich so, wie man sie wahrnimmt.

  • 7. Bild

    Das Bild ist die offensichtlichste filmische Gestaltungsebene. Hier findet die Komposition der Farben, der Helligkeiten, der Größenverhältnisse und der Bewegungen statt.

    Teure Kameras haben in der Regel die bessere Qualität. Der Chip ist größer, wodurch eine Kinoähnliche Optik entsteht. Sie haben eine höhere Auflösung, die Farben sind intensiver usw.

    Aber letztlich ist auch alles eine Stilfrage. Ein schlechtes Konzept wirkt eventuell mit aufwendigen Kranfahrten vielleicht noch viel unbeholfener – wogegen eine gute Geschichte vielleicht mit einer einfachen Kamera noch packender wirkt. Hauptsache ist, dass hinter allem ein stimmiger Gedanke steht.

    Ein guter Kameramann kennt die Geschichte genau, findet Bilder und Bewegungen, die etwas erzählen, die ein Gefühl vermitteln und die gut komponiert sind.

  • 8. Licht

    Licht ist das Grundelement des Filmes. Licht macht die Dinge sichtbar, die die Linse einfängt.

    Licht kann aber noch viel mehr. Licht entscheidet, was man sieht und wie man es sieht. Licht kann blenden und auch offenbaren. Licht erzeugt Stimmung. Licht erzeugt Illusion von Tag und Nacht. Licht modelliert das Bild. Licht schafft Kontrast.

    Um das Ausleuchten kommt man fast nicht herum. Nicht nur, um von Tageszeiten und Wetter unabhängig zu sein, sondern allein schon für ein Bild, das in der Kamera so aussieht, wie unser Auge die Natur wahrnimmt. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen. Wie erreiche ich, dass sämtliche Lichtquellen die richtige Farbe haben und dass alles die richtige Helligkeit und Dunkelheit hat, ohne, dass mehr Schatten im Bild sind, als erwünscht? Egal wie reichlich oder spärlich das Equipment ist – wesentlich ist hier Erfahrung und Überblick.

    Sobald man das Licht unter Kontrolle hat, kann die Gestaltung beginnen.

  • 9. Ton

    Man glaubt gar nicht, wie wichtig ein guter Ton ist. Er ist mit Sicherheit das meist unterschätzte Gestaltungsmittel im Film. Ist der Ton zu leise oder verzerrt, ruiniert er die schönsten Bilder. Umgekehrt kann mit einer guten Tongestaltung vieles gerettet werden.

    Der perfekte Ton sollte am besten schon am Set aufgenommen werden. Dafür ist es wichtig, alle Gefahren im Blick zu haben – Flugzeuge, Hall, Einstrahlungen durch technische Geräte, knurrende Mägen, Wackler im Kabel, leere Batterien, falsche Aufnahmeeinstellungen und vieles mehr.  Eben weil man Ton nicht sieht, kann hier viel übersehen werden.

    Ist der Ton dagegen perfekt, fällt er nicht auf. Daher ist nichts so subtil wirksam, wie ein guter Filmton. Er ist genau so präsent wie das Bild, aber viel suggestiver – weil man ihn nicht sehen kann, und beim Film Schauen vergisst.

    Dadurch werden die erstaunlichsten Dinge möglich.

  • 10. Regie

    Was genau ein Regisseur genau macht, ist von Fall zu Fall verschieden. In der Regel ist der Regisseur, der- oder diejenige, die weiß, wie der Film werden kann. Die Verbindung zwischen Idee, Team und Ergebnis.

    Dabei hilft ihm die Aufnahmeleitung, die ihm den Rücken frei hält und dafür sorgt, dass alles nach Plan läuft.

    Der Regisseur organisiert den Film künstlerisch, interpretiert das Buch, entwickelt mit dem Kameramann den Look des Filmes und bringt die Schauspieler dazu, gut zu spielen.

    Wie genau er das anstellt, hängt von seiner Persönlichkeit ab. So können zehn verschiedene Regisseure aus ein und demselben Drehbuch zehn verschiedene gute Filme machen.

  • 11. Montage

    Die Montage ist der erhabene Moment, bei dem der Film erstmals sichtbar wird. Man kann entscheiden, wie der Film erzählt wird. Welche Information wird zu welchem Zeitpunkt preisgegeben? Lieber Spannung oder besser Überraschung? Man gibt oder nimmt Orientierung. Man verbindet Momente und erzeugt Zusammenhänge.

    Rhythmus und Timing entstehen. Ein paar Sekunden mehr oder weniger, eine andere Kameraeinstellung, und der ganze Film verändert sich. Wie ein großes Puzzlespiel. Wenn es gut geht, hat man am Ende vielleicht noch ein paar schöne Stücke übrig, die man gar nicht mehr braucht.

  • 12. Effekte

    Effekte sind aus der heutigen Filmlandschaft kaum noch weg zu denken. Es gibt kreative kleine Manipulationen vor der Kamera und nachgebaute Welten in der Postproduktion. Manche Filme werden nur gedreht, um Effekte vorzuführen. Der Haken an der Sache ist, dass auffällige Effekte nach ein paar Jahren meistens billig wirken. Zeitlos und viel wichtiger sind Effekte, die keiner bemerkt. Effekte, die man zum Beispiel benutzt, um suggestiv Stimmungen zu erzeugen. Effekte, die retuschieren. Effekte, die Dinge vortäuschen.

    Effekte können zaubern, verblüffen und Welten erschaffen.

  • 13. Sounddesign

    Schlechter Ton fällt sofort auf, perfekter Ton dagegen nicht. Das ist auch gut so. So kann man auf der Tonebene die erstaunlichsten Dinge tun: Geräusche ersetzen, Steigerungen komponieren, manipulieren, und niemandem fällt die Wirkung auf.

    Ein gutes Sounddesign ist auf das Bild abgestimmt. Das, was man hört, beeinflusst das Sichtbare, das Sichtbare wiederum lenkt vom Ton ab. Wie bei einem guten Zaubertrick.

  • 14. Farbe

    Die Farbkorrektur ist der letzte Schliff. Ein Film wirkt nach dem Schnitt oft noch nicht einheitlich. Fast jede einzelne Kameraeinstellung wirkt in Farbe und Helligkeit anders als die anderen. Also muss man die einzelnen Fragmente so lange bearbeiten, bis sie zueinander passen.

    Der nächste Schritt ist dann wieder gestalterisch: Wie kann man die Farben im Bild so verändern, dass sie noch besser aussehen?

    Und man kann entscheiden: Welchen Gesamtlook soll der Filmes bekommen? Welche Stimmung will man vermitteln?

  • 15. Musik

    Gute Filmmusik fällt nicht auf. Diese Aufgabe ist nicht etwa undankbar, sondern wesentlich anspruchsvoller, als etwas Offensichtliches zu komponieren. Denn eine gute Musik zieht das Publikum so sehr in den Bann, dass es auf gar nichts mehr achtet, als auf den Inhalt des Filmes. Filme wie zum Beispiel Psycho beweisen, dass die Musik für diese Aufgabe nicht zwingend unauffällig und harmlos sein muss.

    Wenn ein Film auch ohne Musik funktioniert, spricht das für den Film. Dementsprechend hilft Musik auch da, wo es noch nicht ganz so gut funktioniert.

    In jedem Fall unterstützt gute Filmmusik das Genre und den Sog des Filmes, am besten auf eine Weise, die das Gezeigte um neue, unerwartete Aspekte bereichert.

  • 16. Titel

    Oft sieht man einen Film und weiß bereits in der ersten Minute, dass er einem gefallen wird – wenn die Titelsequenz gut gemacht ist: mit Liebe zum Detail, Einfallsreichtum, und Geschmack.

    Eine Titelsequenz gibt uns wichtige Informationen über den Film und diejenigen, die ihn gemacht haben. Darüber hinaus erfüllt sie aber noch andere Aufgaben:

    So leitet sie zum Beispiel die Atmosphäre eines Filmes ein, damit man darauf eingestimmt wird, ob man gleich eine Tragödie, eine Komödie oder einen Thriller zu sehen bekommt.

    Um Lust auf den Film zu machen ist Einfallsreichtum gefragt, und ein Auge für schöne Schriften. Im Zweifel sollte ein Titel lieber mit sparsamer Größe gestaltet werden, als mit Effekten überfrachtet. Ein unspektakulärer Film braucht keine spektakulären Titel.

    In jedem Fall gilt für die Titel das, was für sämtliche gestalterischen Mittel gilt: Alles, was man macht, wird sich auf das Gesamtbild des Filmes auswirken. Jede Entscheidung ist wichtig, jeder Weg möglich. Vom ersten Konzept, bis zur Schrift des Abspanns. Die Titel sind das erste und letzte, was man von einem Film zu sehen bekommt. Sie geben dem fertigen Film einen Rahmen.